Strukturreformen als Schlüssel für Wohlstand und Sicherheit
Die deutsche Wirtschaft steckt weiterhin in einer hartnäckigen Wachstumsschwäche. Trotz zahlreicher politischer Initiativen ist es bislang nicht gelungen, neue wirtschaftliche Dynamik zu entfalten. Umso wichtiger sind konkrete Antworten auf die Frage, wie Deutschland und Europa ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem zunehmend unsicheren geopolitischen Umfeld sichern können. Genau hier setzt eine aktuelle Studie der Professorinnen Désirée Christofzik und Veronika Grimm an. Im Auftrag des Gemeinschaftsausschusses der gewerblichen Wirtschaft, dem auch der BGA angehört, zeigt sie Wege auf, um wirtschaftliche Stärke, finanzielle Handlungsfähigkeit und Sicherheit langfristig zu sichern. Die Studie wurde am 10. Juni 2026 u.a. von BGA-Geschäftsführer Antonin Finkelnburg in Berlin vorgestellt.
Die Studie analysiert die veränderten wirtschafts- und sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen Europas sowie die zentralen strukturellen Herausforderungen Deutschlands. Es wird dargelegt, dass geopolitische Spannungen, eine fragmentierte Weltwirtschaft und anhaltende Wachstumsschwächen die ökonomische Leistungsfähigkeit und die politische Handlungsfähigkeit des Kontinents zunehmend in Frage stellen. Vor diesem Hintergrund zeigt die Untersuchung Reformansätze auf, mit denen die wirtschaftliche Dynamik, die fiskalische Tragfähigkeit und die sicherheitspolitische Resilienz systematisch miteinander verknüpft und gemeinsam gestärkt werden können.
Ein zentraler Befund der Analyse lautet, dass die deutsche Wachstumsschwäche maßgeblich auf strukturelle Faktoren zurückzuführen sei, die sich bereits seit 2018 abzeichneten, jedoch politisch unzureichend adressiert worden sind. Zu diesen Hemmnissen gehören die demografische Alterung, eine im internationalen Vergleich geringe Dynamik des technologischen Fortschritts sowie eine schwache Investitionstätigkeit. Um das Wachstumspotenzial zu erhöhen, seien laut den Ausführungen ein höheres Arbeitsvolumen, der Abbau übermäßiger Regulierung und eine signifikante Stärkung des Humankapitals erforderlich. Das Gutachten verdeutlicht anhand von Projektionen, dass insbesondere der Renteneintritt der sogenannten Babyboomer ab dem Jahr 2027 zu einer spürbaren Verringerung des Wachstumsbeitrags der Arbeit führen werde und der technologische Fortschritt somit den zentralen Hebel für die Zukunft darstellt.
Zudem wird auf tiefgreifende globale Verschiebungen verwiesen. Die wirtschaftliche und technologische Bedeutung aufstrebender Volkswirtschaften – insbesondere Chinas – habe stark zugenommen, was den internationalen Wettbewerb intensiviere. Gleichzeitig gerieten die öffentlichen Finanzen unter erheblichen Druck, da steigende Ausgaben für die soziale Sicherung und die Verteidigung auf eine schwache Wachstumsdynamik träfen. Ohne strukturelle Anpassungen sei die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen nicht gesichert. Die Begrenzung des Ausgabenwachstums, Reformen der sozialen Sicherungssysteme sowie ein konsequenter Rückbau von Subventionen werden als zwingende Voraussetzungen genannt, um fiskalische Spielräume zurückzugewinnen.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, empfiehlt die Studie ein umfassendes Reformpaket mit vier eng miteinander verknüpften Handlungsfeldern. Erstens müssen Deutschland und Europa ihre Sicherheit und Resilienz stärken, indem sie vorhandene Mittel effizienter einsetzen und die europäische Zusammenarbeit vertiefen. Zweitens gilt es, das Wachstumspotenzial der Wirtschaft gezielt zu erhöhen und neue Investitionsanreize zu schaffen. Drittens müssen Politik und Verwaltung das Ausgabenwachstum begrenzen, um die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen zu sichern. Viertens sollten Europa und seine Partner die internationale Zusammenarbeit konsequent ausbauen, um insbesondere in den Bereichen Verteidigung und Technologie bestehende Effizienzpotenziale besser zu nutzen. Die Studie macht deutlich: Keines dieser Handlungsfelder wirkt für sich allein. Erst ihr Zusammenspiel entfaltet die notwendige Hebelwirkung, um Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und Wohlstand nachhaltig zu stärken. Deshalb sollte die Politik ihre Reformanstrengungen auf ein solches Gesamtpaket konzentrieren.
Insgesamt bietet die Studie nach Überzeugung des BGA eine fundierte und dringend notwendige Orientierungshilfe in Zeiten des geopolitischen und wirtschaftlichen Umbruchs. Durch die konsequente Verknüpfung von Ökonomie, Fiskalpolitik und Sicherheitspolitik gelingt der Studie eine ganzheitliche Lageanalyse, die über Einzelmaßnahmen hinausgeht. Besonders erwähnenswert ist der konstruktive Charakter des Berichts: Er belässt es nicht bei einer kritischen Bestandsaufnahme, sondern weist mit dem vorgeschlagenen Reformpaket einen klaren und realistischen Weg, wie Deutschland und Europa ihre Handlungsfähigkeit nachhaltig zurückgewinnen und eine neue wirtschaftliche Dynamik entfalten können.
Die Studie finden Sie hier.


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