Außenwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit enger verzahnen
Beim Parlamentarischen Frühstück des BGA unter der Schirmherrschaft des Parlamentarischen Staatssekretärs Johann Saathoff diskutierten letzten Donnerstag Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit darüber, wie gemeinsame Instrumente wirksamer genutzt und Unternehmen besser unterstützt werden können. Im Mittelpunkt standen die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung und das Business-Scout-Programm.
Marcus Schwenke, beim BGA verantwortlich für Entwicklungszusammenarbeit, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu dem Parlamentarischen Frühstück unter der Schirmherrschaft des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Johann Saathoff. In seiner Eröffnung warb Schwenke für ein besseres Ineinandergreifen von Außenwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit. Dafür brauche es insbesondere eine engere Zusammenarbeit der Akteure in der Praxis.
Mit der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE) und den Business Scouts gebe es bereits konkrete Schnittstellen, die Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit miteinander verbinden. Angesichts knapper werdender Haushaltsmittel, wachsender geopolitischer Unsicherheiten und zugleich neuer wirtschaftlicher Chancen im Globalen Süden sei es von zentraler Bedeutung, vorhandene Kompetenzen und Instrumente stärker zu bündeln. 
Mehr Wirkung durch Partnerschaften
Johann Saathoff bestätigte, dass die Haushaltsmittel für die Entwicklungszusammenarbeit voraussichtlich weiter zurückgehen werden. Zugleich signalisierte er eine große Offenheit für eine intensivere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Durch Partnerschaften und die Bündelung von Ressourcen könne eine größere Wirkung erzielt werden.
Als wichtige Grundlage für eine engere Zusammenarbeit hob Saathoff das weltweite Netzwerk der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) hervor. Ausdrücklich würdigte er zudem das Business-Scout-Programm und teilte Marcus Schwenkes Einschätzung, dass es auch weiterhin als ein zentrales Instrument an der Schnittstelle von Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit eine wichtige Rolle spielen wird. Darüber hinaus verwies Saathoff auf den KI-gestützten „Förderlotsen Wachstumsmärkte“, den das BMZ gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zu Beginn des Jahres gestartet hat. Das Angebot unterstützt Unternehmen dabei, passende Förder- und Finanzierungsinstrumente für ihr Engagement in internationalen Wachstumsmärkten zu identifizieren. Als weiteres Unterstützungsangebot nannte Saathoff die deutsche Anlaufstelle des europäischen Global Gateway Investment Hub. Dort beraten das BMZ und weitere Bundesressorts Unternehmen, die größere Investitionsvorhaben in den Schwerpunktsektoren der Global-Gateway-Initiative planen.
Der Bundestagsabgeordnete Philip Hoffmann unterstrich, dass bei allen Maßnahmen ein klarer Mehrwert erkennbar sein müsse. Entscheidend sei, dass die Zusammenarbeit konkrete Ergebnisse hervorbringe und sowohl entwicklungspolitische als auch wirtschaftliche Ziele unterstütze. 
Business Scouts als operative Schnittstelle
Susanne Friedrich stellte die Arbeit der Agentur für Wirtschaft und Entwicklung und insbesondere das Business-Scout-Programm vor. Die Zusammenarbeit mit Verbänden und Unternehmen habe für die AWE einen hohen Stellenwert. Von einer stärkeren Verzahnung der Außenwirtschaftsförderung mit der Entwicklungszusammenarbeit könnten beide Seiten profitieren.
Verbesserungspotenzial sieht Friedrich vor allem bei einem einfacheren Zugang zu den Instrumenten der Entwicklungszusammenarbeit, einer stärkeren strategischen Ausrichtung auf gemeinsame Zukunftsthemen und zusätzlichen operativen Schnittstellen vor Ort. Eine besondere Rolle spielten dabei die Business Scouts. Sie seien das Herzstück der AWE und fungierten als direkte Verbindung zwischen Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit.
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die häufig nicht über eigene umfangreiche internationale Strukturen verfügen, seien Business Scouts wichtige Türöffner. Dies bestätigte auch Charlotte Heyl, Director Sustainability beim Deutschen Kaffeeverband. KMU benötigten niedrigschwellige und praxisnahe Angebote. Entsprechend sprach sie sich für Instrumente nach dem Vorbild des früheren Business-Scout-Fonds aus.
Von den Bedarfen der Unternehmen zum konkreten Projekt
Anna Peter, Business Scout beim BGA, schilderte ihre Arbeit im Verband. Als Business Scout verstehe sie sich als Brückenbauerin zu lokalen Märkten, Begleiterin beim Markteintritt und Lotsin durch die verschiedenen Förderprogramme.
Am Beispiel der BGA-Lieferantentrainings zeigte sie, wie aus den konkreten Bedürfnissen der Unternehmen ein umsetzbares Projekt entstehen kann. Durch ihre Entsendung durch das BMZ in den Verband stehe sie im unmittelbaren Austausch mit den BGA-Mitgliedsverbänden und deren Unternehmen. Auf dieser Grundlage entwickelte sie gemeinsam mit dem BGA ein Trainingskonzept, gewann weitere Kooperationspartner und beteiligte sich mit dem Verband an einem Wettbewerb der AWE und des BMZ, um Fördermittel für die Umsetzung einzuwerben.
Auch Erik Ruh, Business Scout beim Zentralverband des Deutschen Handwerks, griff die Forderung nach einem konkreten Mehrwert auf. Mit dem „Internationalen Meister“ stellte er ein Beispiel vor, das unmittelbar aus der Arbeit eines Business Scouts hervorgegangen ist.
Die Diskussion machte deutlich: Eine engere Verzahnung von Außenwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit kann sowohl die Wirkung entwicklungspolitischer Maßnahmen erhöhen als auch Unternehmen beim Zugang zu neuen Märkten unterstützen. Damit dies gelingt, müssen Förderinstrumente einfach zugänglich, Angebote konsequent an den Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichtet und erfolgreiche Schnittstellen wie das Business-Scout-Programm gestärkt werden.


Marcus Schwenke
Abteilungsleiter Außenhandelspolitik + Importförderung + Entwicklungszusammenarbeit + Projekte
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 594
marcus.schwenke@bga.de

Anna Peter
Beraterin Entwicklungskooperation im Auftrag des BMZ
Am Weidendamm 1 a, 10117 Berlin
030 59 00 99 597
business-scout@bga.de

CO₂-Zertifikatehandel betrifft zunehmend den Außenhandel
Vom Industrie- zum Handelsthema
mehr
Zugang zum Fahrer-Beruf wird erleichtert
Wichtiger Schritt gegen den Fahrermangel
mehr
BGA-Konjunkturumfrage zur Jahresmitte 2026 startet in Kürze
Sie geht vom 3. – 24. August 2026
mehr
CBAM: BGA fordert praxistaugliche Regeln für den Kauf und Rückkauf von Zertifikaten
Lediglich einen Rückkaufsantrag pro Jahr stellen können ist zu wenig.
mehr
Weniger Bürokratie, mehr Tempo für (Groß) Handel und Logistik
Verkehrsreformen beschlossen
mehr
EU-Bauproduktenverordnung: BGA sieht Nachbesserungsbedarf
Deutliche Belastungen für kleine und mittlere Unternehmen
mehr
Aktuelle Entwicklungen zum Vereinfachungspaket
BGA-Webinar zum EUDR-Vereinfachungspaket
mehr
Was ab Freitag gelten könnte
US-Zölle vor dem nächsten Umbau
mehr
EU und Mexiko modernisieren ihre Handelsbeziehungen
EU-Rat hat dem Interims-Handelsabkommen zugestimmt
mehr
Erster wegweisender Tarifabschluss im Groß- und Außenhandel in Bayern
Es ist davon auszugehen, dass dieses Ergebnis Grundlage für weitere Abschlüsse in den anderen Tarifgebieten sein wird.
mehr
Entlastungspaket: Der große Hebel fehlt
Für den Groß- und Außenhandel bleibt das Paket deutlich hinter den Erwartungen zurück.
mehr
Europa braucht offene Märkte
Handelspolitische Schutzinstrumente sind nicht die Lösung.
mehr
Digitaler Handel braucht Verlässlichkeit
Transatlantischer Datenschutzrahmen gerät erneut unter Druck.
mehr
Marktüberwachung effizienter gestalten
Staatsmodernisierung konkret.
mehr
Grünes Licht für Neue Genomische Techniken
Europäisches Parlament ebnet den Weg für die Verordnung.
mehr
Reformpaket bringt erste Fortschritte
Zentrale Entlastungen für den Mittelstand fehlen.
mehr
Schiedsgerichtsbarkeit und bevorstehende Insolvenzrechtsnovelle
BGA-Rechtsausschuss tagt in Berlin.
mehr
KI und Cyber Security
Neue Herausforderungen für Unternehmen.
mehr
Endlich Fortschritt, Entlastungen fehlen
Der Mittelstand braucht umgehend Reformen
mehr
Sommerfest des Handels
Die Bilder sind da
mehr